Es gibt ein Modell der Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, das Gemeinschaften als Zielscheibe von andernorts entworfenen Programmen behandelt. Die technischen Fachleute entwerfen die Intervention. Die Programmteams setzen sie um. Die Gemeinschaft empfängt sie. Dieses Modell ist so gut wie immer falsch, und es ist häufig schädlich.
Gemeinschaften sind nicht passiv. Sie verfügen über vorhandenes Wissen zu Gesundheit und Krankheit. Sie haben soziale Strukturen, die bestimmen, wie Informationen fließen und wie Entscheidungen getroffen werden. Sie haben Erfahrungen mit Gesundheitssystemen, positive wie negative, die beeinflussen, wie sie auf neue Programme reagieren. Sie haben Prioritäten, die von den Prioritäten des Programms abweichen können.
Als Impfkampagnen in Teilen Nordnigerias auf Widerstand stießen, bestand die Reaktion der Programmteams manchmal darin, die Kommunikation zu verstärken, als läge das Hindernis schlicht an mangelnder Information. Doch die Gemeinschaften, die Widerstand leisteten, waren oft nicht uninformiert. Sie trafen Entscheidungen auf Grundlage ihrer bisherigen Erfahrungen, ihrer religiösen und kulturellen Rahmenbedingungen sowie ihrer Einschätzung dessen, was ihnen angeboten wurde – und was ihnen im Gegenzug nicht angeboten wurde.
Die Programme, die echte Fortschritte erzielten, waren jene, die Gemeinschafts- und Religionsführer nicht als zu gewinnende Validatoren einbanden, sondern als echte Partner beim Verständnis der Anliegen der Gemeinschaft und bei der Gestaltung der Reaktion. Es waren jene, die fragten, was die Gemeinschaft brauchte, und nicht nur, was das Programm von der Gemeinschaft brauchte.
Das ist keine weiche, wohlfühlige Ergänzung zur Programmgestaltung. Es ist eine praktische Notwendigkeit. Programme ohne echte Zustimmung der Gemeinschaft werden auf eine Weise unterdurchschnittlich abschneiden, die teuer und schwer wieder rückgängig zu machen ist. Eine Impfkampagne, die in einer Gemeinschaft Ablehnung erzeugt, wird es bei nachfolgenden Kampagnen schwerer haben, nicht leichter, denn jede gescheiterte Interaktion hinterlässt Misstrauen.
In der Praxis erfordert sinnvolle Einbindung der Gemeinschaft Zeit, Demut und die echte Bereitschaft, die Programmgestaltung auf Grundlage des Gelernten anzupassen. Das sind unbequeme Anforderungen für Programme mit knappen Zeitplänen und feststehenden Konzepten. Aber es sind die Anforderungen.
Die Gemeinschaften, in denen wir arbeiten, sind nicht unser Publikum. Sie sind unsere Partner. Je eher die Programmgestaltung dies widerspiegelt, desto wirksamer werden die Programme sein.